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Wohin steuert der E-Book-Markt?
Experten für elektronische Bücher (E-Books) glauben an die Zukunft dieses Mediums und erwarten bis 2013 einen zweistelligen Umsatzanteil am Buchmarkt. Doch es gibt noch etliche Hürden zu überwinden. Vom Verkaufspreis bis zum Copyright.
Die Verlage stehen in einem harten Konkurrenzkampf.
Wer sichert sich künftig die meisten Marktanteile im E-Book-Segment? Die Nase bereits vorne zu haben glaubt Springer. Der Verlag sei mit 27.000 E-Book-Titeln weltweilt die Nummer eins unter den Sortiment-Verlagen, wie Olaf Ernst gegenüber Buchreport.de äußerte.
Optimistisch zeigen sich auch andere Experten, die unisono den E-Book-Markt „reif für Individualkunden“ sehen. Amazon werde dem E-Book zum Durchbruch verhelfen, meint etwa Verlagsdienstleister Hans Kreutzfeld. Amazon-Chef Jeff Bezos stellte vor zwei Jahren sein E-Book-Programm „Kindle“ vor und schürte damit große Hoffnungen. Bis Ende 2009 will Amazon rund 700.000 „Kindle“-Lesegeräte verkaufen. Jedes Gerät kann bis zu 200 Buchtitel speichern.
Derzeit liegt der Anteil der E-Books am Buchmarkt noch im Promille-Bereich. Das soll sich in den kommenden Jahren stark ändern. Die optimistischsten Prognosen erwarten bis zu 25 Prozent Marktanteil.
Einige Hindernisse liegen noch im Weg
Auch die zuversichtlichsten unter den Experten für elektronische Bücher wissen aber, dass noch einige Hindernisse überwunden werden müssen, um dem E-Book zum erwarteten Marktanteil verhelfen zu können. Dazu gehören die Inhalte (viele Verlage haben sich vor allem im Bereich Belletristik noch nicht umgestellt), die Hardware („Kindle“ ist für rund 400 Dollar zu teuer und der Kontrast zu gering, sodass der Leser schnell ermüdet) sowie auch der Preis der E-Books im Vergleich zum gedruckten Pendant. Es wurde noch kein einheitlicher Weg gefunden.
Eine der größten Hürden scheint aber der Kopierschutz zu sein. Derzeit werden bei Amazon elektronische Bücher per Digital Rights Management kopiergeschützt, was aber unter Online-Experten umstritten ist. Ihr Einwand: Diese Maßnahmen komplizieren das Downloaden, was der Kunde in der Regel nicht schätzt und den Vorgang eventuell auch abbricht.
Für den stationären Buchhandel empfehlen die Experten den Aufbau eigener Internet-Shops mit E-Books. Olaf Ernst sieht in der Vermittlung von E-Book-Paketen durch den Sortiment-Buchhandel an institutionelle User eine Chance. Springer macht mit diesem Kommissionsgeschäft 60 Prozent des E-Book-Umsatzes.
Geschichte des E-Books
Nach dem Adobe Systems mit der Entwicklung des PDF-Formats und den dazugehörigen Reader zum kostenlosen Downloaden einen Standard für formatierte Dateien schuf, kam Mitte der 90er-Jahre die Entwicklung des E-Books in Gang. Hintergrund waren Einsparungen bei Herstellung und Vertrieb von gedruckten Büchern. Die ersten Schritte machten die Technische Hochschule Karlsruhe in Kooperation mit IBM Deutschland.
Die Druckindustrie fürchtete sich nicht vor dem E-Book, weil beim Printmedium Buch materielle Eigenschaften eine wichtige Rolle spielten. Gleichzeit entstanden Online-Vertriebsfirmen wie Amazon (1994), die dem gedruckten Buch nie gekannte Auflagen bescherten.
E-Books blieben wirtschaftlich dennoch ein Nischenprodukt. Ende der 90er-Jahre gab es die ersten größeren Versuche, E-Books kommerziell zu vertreiben. Manche Verlage experimentierten mit E-Books. Auf der Frankfurter Buchmesse 2007 waren bereits 30 Prozent aller Fachbücher als E-Books erhältlich. In der ersten Jahreshälfte 2009 wurden laut Marktforschungsinstitut GFK 65.000 digitale Bücher heruntergeladen. Ganz vorne lagen wie beim gedruckten Buch auch hier Belletristik und Ratgeber. Die Preise lagen zwischen 1,99 und 25 Euro.